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CD-Besprechung: Dasch2 - Schleudergang

30/09/2016
Babyblaue Seiten

Dasch2 kenne ich über Daniel Schröder, der vor einer Zeit ein ziemlich großartiges Buch über Frank Zappa geschrieben hat: "Der Komponist Frank Zappa. Über die Aktualität der "Neuen Musik"". Er kontaktete mich und schickte mir "Schleudergang". Das ist ein geiles Album von Dasch2.

Dasch2 wiederum ist ein Trio. Die Triomitglieder sind gleichzeitig Gründer ihres Labels Quadratisch Rekords. Dasch2 heißen sie raffinierterdings nach, Achtung, DAniel SCHröder (Bass- & Kontrabassklarinette) und DAniel SCHolz (E-Gitarre), daher auch die 2 im Bandnamen, und nicht nach Jonas Pirzer (Schlagzeug, Melodika), mit dem sie sich nach eigenen Angaben gemeinsam im Schleudergang befinden. Das Trio ist nach eigenen Angaben naturgemäß 3-fach konzentriert, mit zeitgenössischer trialer Formel, und bietet hochwirksame Universalmusik, geeignet für alle Natur-, Synthetik- und Mischfaserträger jedes Härtebereichs, ohne optische Aufheller oder Bleichmittel!

So schaut des aus.

Dasch2 versuchen, möglichst mainstreamferne, quadratische Platten zu machen, zwischen Prog, Rock und Neuer Musik, mit durchaus zappaeskem Einfluss. Erklärlich.
Und wer sagt's denn, der Versuch gelingt. Allerdings nicht ganz, denn neben der Mainstreamferne und Quadratik ihrer Platte haben Dasch2 die Geilheit vergessen, immerhin ein Hauptcharakteristikum ihrer Musik. Ich darf das sagen, denn bei allem Ernst, den derart gute Musik ("Bilanz 5.1": krass) immer irgendwie ausstrahlt - schließlich gehört zu Qualität immer eine gewisse Ernsthaftigkeit in ihrer Erarbeitung - lässt sich die Band auf den Fliesen eines Waschsalons ablichten, unter einer muskulösen Wasche mit Gesicht, die maximal 13 Kilo stemmen kann - mit einer Hand. Das ist geil und nicht ernst, und das sollte man durchaus ernst nehmen. "Schleudergang" ist also geil, und es ist zappaesk, im Sinne avantgardistischer Freakouts und des Zappa'schen "Anything, anytime, anyplace for no reason at all". Yep, meine Terminologie hab ich drauf.

Freiformatiges wird hier ebenso geboten wie schräge Gitarrenläufe, jazzige Passagen und funkige Tunes. Die Band kann in 11 rocken ("ist es auch in 11? Mein Mann fragt immer, ob es auch in 11 ist"), improvisieren, sowie drauflos- und fein ziselierte Avantgarde-Melodien spinnen. Dabei ist es durchgängig ein Hochgenuss, ihr dabei zuzuhören. Und angenehm, was derlei Getöne ja oft nicht ist. Aber Dasch2 wissen, dem (auch verwöhnten) Ohr zu schmeicheln, in your face ist das kaum einmal, in your ass schon gar nicht. Ein Album für Einsteiger in dieses Genre? Ja, aber nur, wenn das nicht als abwertend verstanden wird. Einfach ist das nicht.

Wenn der Schlagzeuger verheiratet ist und der Gitarrist dissertiert hat, soll nach dem Erstling "Schleudergang" wieder mehr Drive in die Band geraten. Wollmer ihr geraten haben. Denn Dasch2 ist zu gut, um's mit "Schleudergang" gut sein zu lassen. Die Welt braucht mehr solcher Albümmer.

CD-Besprechung NaNaya Far. Home. East

15/02/2016
Folker, 2016-02

Die in Hannover lebende Band rund um Sängerin Thea Soti fusioniert serbische Volksmusik, balkaneske Melodien und Jazzimprovisationen.

Das Resultat ist keine Folkimitation, sondern eine sehr persönliche Musik, die sich in einer versatilen europäischen Kultur positioniert und dennoch ihrer musikalischen Traditionen erinnert.

CD-Besprechung: NaNaya - far. home. east.

18/01/2016
Jazzthetik, 01/02-2016, von Guido Diesing

[...] Der frische und interessante Folk mit osteuropäischen Anklängen hat stellenweise Ohrwurm-Qualitäten und beweist, wie fruchtbar die Rückkehr zum Ort der eigenen Herkunft sein kann. Dass auch der gegensätzliche Fall, der Abschied von der Heimat, zur Rückbesinnung auf die Wurzeln führen kann, beweist Thea Soti. Die Sängerin entstammt der ungarischen Minderheit in Serbien, singt aber erst in ihrer Muttersprache, seit sie in Berlin heimisch geworden ist und das Bedürfnis empfand, sich ihrer kulturellen Identität zu versichern.

In der Arbeit mit ihrer Band NaNaya ist das Weiterspinnen der Erinnerung an ungarische Kinder- und Volkslieder aber nur ein Einfluss unter vielen. Die Erfahrungen, die sie im Jazzgesangsstudium gemacht hat, und eine grundsätzliche Experimentierfreude im Umgang mit der Stimme kommen ebenso hinzu wie die ungewöhnliche Bandbesetzung,

in der die Oud von Daniel S. Scholz reizvolle orientalische Akzente setzt. Ansprechende Klangfarben treten hinzu, wenn das Quartett auf etwa der Hälfte der Stücke um Posaune und Klarinette erweitert werden. Expressiver Scatgesang ist und bleibt aber Geschmackssache. [...]

CD-Besprechung: NaNaya - far. home. east.

17/12/2015
www.badalchemy.de, BA 88, von Rigobert Dittmann

Thea Soti und ihre Jungs lassen ihre imaginäre Folklore so schön schweben, dass sich dieses mit jazziger Sensibilität inszenierte Überall ganz heimelig anfühlt.
Die in der Vojvodina im für seine ethnische Toleranz gerühmten Subotica geborene Sängerin, die über Budapest, Hannover und Luzern in Köln angekommen ist, traumtanzt mit RYMM  auf Englisch in surrealen Gefilden oder mundmalt, auch da mit Salim Javaid am Saxophon, dreistimmig als Monsters For Breakfast. Dazu offeriert sie mit Sung Sound Gesang und Musik von Frauen
für Big Bands und sorgt mit für die Reihe 'Stimmungen' im Kölner Loft. Ihre nun in ihrer Muttersprache Ungarisch gesungenen Lieder hier, bezupft von

Daniel S. Scholz (Dasch2, DDSSBB) an der Oud und dem rosenfingrigen Johannes Keller (Kasimir Effekt) am Kontrabass, delikat rhythmisiert von Jonas Pirzer (Dasch2) und von Fall zu Fall angeblasen von Posaune und Klarinetten, verdanken sich keiner Bodenständigkeit, sondern deren Gegenteil. Neben einem von Bartok notierten Volkslied, dem von Kodály für Chor arrangierten Wiegenlied 'Esti dal', dem getürkten 'Yavaş, yavaş' und 'Uazzim' von Scholzens Orientprojekt Al a Malaka erfindet Soti selbst ein Meta-Heimatgefühl konträr zu den Phobien der Volkstümler. Dabei kandidelt sie öfters auch ohne Worte und 'Olyan Jó Volna' jubelt sie a capella.

Ihr Duktus nimmt ungeniert Rhythmen und leidenschaftliche Melismen, die schon vor langer Zeit die Hunnen-, Balkan- und Romarouten entlang kamen, auf die leichte Schulter und mischt das, mit silbrigem
Zungenschlag, mit junger 'westlicher Denkweise'. So gleich zu Beginn beim verliebten Lippentanz von 'Èdes szeretöm' mit seinem Anklang an Iva Bittova. Aber NaNaya lässt auch den Schatten anklingen,
der auf die Seele fällt. Im melancholischen Schaukeln von 'Csönd-hinta', im Kirschgartenfeeling von 'Cseresznyéskert' oder im Nebel des mit Mbira bezupften 'Dança de Nevoeiro'. Und 'Esti dal' ist in seinem Posaunen- und Bassklarinettendunkel ja zuletzt nichts anderes als die Bitte, einen Platz für das müde Haupt zu finden.

CD-Besprechung: Die Daniel Sebastian Scholz Big Band - DDSSBB

22/10/2015
JAZZTHING 110, September/Oktober 2015 von Martin Laurentius

"[...] Ein anderes Spektrum deckt das Album "DDSSBB" ab, Akronym für "Die Daniel Sebastian Scholz Big Band". Scholz hat seinem Orchester ein Repertoire auf den Leib geschrieben, das stilistisch so offen ist, um Jazz, Rock und Pop, Elektro und HipHop zu integrieren, aber den Musikern so viel Freiheit lässt, um das Material eigenständig in Szene zu setzen: irrwitzig, rasant, intensiv [...]"

"Bingen swingt": Boom der Bigbands - DDSSBB

25/05/2015
spiegel online von Hans Hielscher

"[...] Die WDR Bigband nennt ihre neue Platte "Big Band Boom". Doch gibt es diesen Boom wirklich? Wohl nicht. Aber immerhin ist die deutsche Bigband-Landschaft seit Langem weltweit einmalig. So leisten sich die meisten Bundesländer Jugend-Jazzorchester. Das erste, aus Nordrhein-Westfalen, feierte gerade sein 40-jähriges Bestehen; in der Zeit unternahmen die NRW-Jungjazzer 36 Konzertreisen in fünf Kontinente. Die besten Musiker aus den Ländern nimmt seit 1987 das BundesJugendJazzorchester auf. Till Brönner und Michael Wollny spielten dort auch.

Dass große Formationen in Deutschland immer noch gefragt sind, zeigen die Spezialfächer "Bigbands" in vielen Plattenläden. Unter den Neuerscheinungen sollte derzeit eine Scheibe des exzentrischen Sun Ra Arkestra sein: Die 14-köpfige Nachfolgeband des 1993 verstorbenen Exzentrikers Sun Ra faszinierte in einem Klub in Istanbul das Publikum. Jazz mit populären Musikstilen wie Rap, Rock und Elektro verbindet die deutsche Daniel-Sebastian-Scholz-Big-Band (DDSSBB).

Aus New York kommt die CD "Hot Town" des Ghost Train Orchestra: Mit dem Bass-Saxofonisten Colin Stetson als Gast bringt die Band Musik aus den Zwanzigerjahren - "nicht als Museumsstücke", lobt das Magazin "Down Beat", "sondern angereichert mit Feuer und Leben". Beim Festival in Bingen kommt zum offiziellen Programm der Landeswettbewerb "Jugend jazzt für Jazzorchester". Der Ensemble-Wettbewerb ist einer der Vorentscheide für den Bundeswettbewerb im kommenden Jahr in Kempten im Allgäu. Also deutet alles darauf hin, dass in Deutschland weiter gejazzt werden wird - gerade im Bereich Bigband."

CD-Besprechung: Die Daniel Sebastian Scholz Big Band - DDSSBB

18/05/2015
www.hansberndkittlaus.de/big-bands-2015/ von Hans Bernd Kittlaus

Die junge Hannoveraner Big Band des Komponisten, Arrangeurs und Dirigenten Daniel Sebastian Scholz legt eine erfrischende Aufnahme von einem Standard, „Smoke Gets in Your Eyes“, und sieben Eigenkompositionen von Scholz und anderen Band-Mitgliedern vor, die sich durch Witz und Kreativität auf Basis soliden Handwerks auszeichnet.

Die Kenntnis und Verwurzelung in der Big Band Tradition wird als Ausgangspunkt für modernere Klang- und Rhythmuselemente genutzt, auch elektronische Effekte werden gelegentlich gekonnt eingefügt. So klingt die Band viel besser, als die Flaschenabbildungen der Musiker im Cover erwarten lassen.

CD-Besprechung: Die Daniel Sebastian Scholz Big Band - DDSSBB

17/05/2015
www.badalchemy.de, BA 86, von Rigobert Dittmann

Blasmusik, die so up-to-date ist wie die Modedrinks, an denen der Tübinger Bandleader einen da bei 'The Fritz Cola Boyz', 'The Bionade Bridge' und 'The Club Mate Store' nuckeln lässt? Mit seiner 13-köpfigen, blechgepanzerten Kavallerie tut sich die zu 5,5 % weibliche Gruppe da in Hannover etwas schwer, spritzig zu wirken. In dem Jazzland, das zwar irgendwie auch die Globe Unity, James Choice und The Andromeda Mega Express Orchestras und The Dorf hervor gebracht hat, gehört Spritzigkeit nicht zu den gegebenen Dingen. Scholz hat in Osnabrück bei Niels Klein studiert, dem seit 2011 das Bundesjazzorchester, das BuJazzO, mit anvertraut ist. Da lernt man leicht mal wie in der großen Koalition zu denken.

Das Titelstück beginnt bummelig und mit Kikeriki, bis die Baupläne der Nord/LB-Büroschachtel zwischen die Noten geraten. Das Arrangement von 'Smoke Gets In Your Eyes' reimt um die Schwerelosigkeit von Ginger & Fred herum Schmus auf Ruß und verbreitet eher Ruhrpott-Nostalgie aus Fabrikschloten. Fetziger sind die von Kontrabassgekrabbel herausgeforderten Headbang-Stakkatos und das Monotribegezwitscher bei 'Out Of Angenehm', die sich der Drummer Jonas Pirzer ausgedacht hat. Daniel Schröder, ansonsten in der Reedsection versteckt, transponiert mit 'Die 3 Lustigen 2' den Jazzrock von Dasch2 in den hintersinnigen Kontrast zwischen rauchigem Big mit einem träumerischen Altosaxsolo und rockigem Funk mit schnittigem Stakkato und James-Bond-Touch, bis es sich zuletzt wieder rauchig wölkt.

Das bärentapsig Ländlerische von 'The Bionade Bridge' entwickelt im ersten Teil den Charme boterotischer Schwofs, macht letztlich aber auch wieder Appetit auf Klöße mit Bratensoße. Professor Klein revanchiert sich bei seinem Musterschüler mit einem gefühlsschwangeren Club-Mate-Solo auf dem Tenorsax. Und für das dunkel-elegische, pianetbetupfte 'Eshgham' steigt zuletzt Thea Soti singend aus dem Karnickelhut, um eine Trauerkloßsoße zartbitter zu würzen. Auch wenn ich keines der Rezepte so hemmungslos und neu empfinde wie versprochen, nimmt Scholz doch liebenswert vom Einheitsbrei Abstand.

CD-Besprechung: Du Silence - From Dusk to Dawn

12/03/2015
freiStil #59 - März/April 2015 - freistil.klingt.org

Du Silence ist ein Duo der Sopranistin Karin Pawolka und des Klarinettisten Daniel Schröder, der unterschiedliche Klarinetten bedient. From Dusk to Dawn – von früh bis spät oder von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen – heißt ihre CD, die Musiken unserer Zeit umfasst. Sharon Davis hat 1980 Three Poems of William Blake für Sopran und tiefe Klarinette gesetzt. Sehr direkt geschnitzte Musik. Spannender wird es beim Klarinettensolostück On the path to silence (2009) des schwedischen Komponisten Ulf Grahn (* 1942), das Schröder in seinen dämmernden Intervallen klar ausatmend zur Ruhe bringt. 

Oder Grahns Duostück Under the deep surface für tiefe und sehr tiefe Klarinetten, das wie eine introvertierte Unterhaltung zweier Tiefsinniger klingt. Im Zentrum steht From dusk to dawn (1979-84), ebenfalls von Grahn, ein vielfältig inniges Spannungsfeld zwischen Stimme und Klarinetten: mäandernd, mystisch singend. Am Schluss steht Paul Reifs Encounter, nach Shakespeare, das den Reigen der eng umschlungenen „Nachtstücke“ abrundet. Interessante Besetzung und Klanglandschaften! (ente.me)

"DDSSBB" gastierte im Blue Note: Big-Band-Jazz im erweiterten Klangspektrum

24/10/2014
Neue Osnabrücker Zeitung

OSNABRÜCK Daniel Sebastian Scholz denkt neu über die orchestrale Form des Jazz nach. Im Blue Note hat er nun zusammen mit seiner Big Band "DDSSBB" seine Kompositionen und Arrangements vorgestellt.

von Ralf Döring


Ein bisschen verspielt ist es ja schon, Macbook-Nerds, Fritz Cola oder Bionade zu Themen für Jazzstücke zu wählen. Aber irgendwelche Namen müssen die Kinder ja haben. Endscheidend ist eh das klangliche Ergebnis, und da hat DDSSBB, „Die Daniel Sebastian Scholz Big Band“, im Blue Note einiges zu bieten.
18 Musikerinnen und Musiker sitzen dort auf der Bühne, vor ihnen Scholz, der Namensgeber, Bandleader und Arrangeur. Er ist noch jung, hat beim Osnabrücker Jazz-Professor Niels Klein studiert und tritt jetzt an, der Institution Big Band ein paar frische Zellen zu verabreichen.

Weg von der Konvention, hin zu einer neuen Klangsprache, könnte man Scholz’ tönendes Credo übersetzen – wobei er natürlich nicht der Erste ist, der den orchestralen Jazz neu definiert. Aber es gelingt ihm auf ausgesprochen reizvolle Weise. Seine Big-Band-Träume errichtet Scholz auf der erdigen Basis jazzrockiger Grooves. Das reißt mit und trägt auch, wenn ein Stück mal kurz auf der Stelle tritt. Das kommt allerdings selten vor – Scholz ist ein kreativer Architekt für zeitgenössische Klanggebäude. Er erweitert das konventionelle Spektrum um einen vollständigen Klarinettensatz inklusive Kontrabass-Klarinette, nutzt die Stimme der Sängerin Thea Soti als Farbtupfer, er streut einen mustergültigen Choralsatz in klassischer Polyfonie ein, er lässt die Rhythmusgruppe in einer Groove-Schleife rumoren, während sich darüber in weiten Bögen der Standard „Smoke Gets in Your Eyes“ spannt – womit denn die Big Band von der Sphäre der Softdrinks wieder ins klassische Jazz-Terrain einbiegt.

Erarbeitet hat Scholz seine Arrangements mit einer Big Band aus mehrheitlich jungen, engagierten und reifen Musikern, unter anderem aus Osnabrück und Hannover. Das hört man in den Soli, für die Scholz natürlich Raum schafft, das hört man im kompakten Sound – allein der Trompetensatz ist eine Wucht –, und das spürt man am Spaß, der auf der Bühne herrscht.

CD-Besprechung: Du Silence - From Dusk to Dawn

11/06/2014
www.badalchemy.de, BA 82, von Rigobert Dittmann

Nein, kein Splatterhorror, vielmehr ein Liederzyklus, ein Dreamscape für Sopran und Klarinette, eine poetische Nachtwanderung in ein Zwielicht, wo alles passieren kann. Es singt Karin Pawolka, es spielt Daniel Schröder und zwar neben Klarinetten auch noch Bass- und Kontrabassklarinetten. Er ist kein Unbekannter, einmal durch sein Mitwirken bei Samsas Traum, zum anderen als Autor von Der Komponist Frank Zappa (Büchner-Verlag, 2012) und drittens durch Dasch2, ein Zappanale-bewährtes Trio, das auch schon auf dem gleichen Hannoveraner Label seine Kreise quadrierte. Mit Pawolka zusammen hat Schröder ein Programm zusammengestellt, das, sublim und konsistent, nahelegt, die Nacht und drei ziemlich unbekannte KomponistInnen nicht weniger hoch zu schätzen als den Tag und das Bekannte.

Zuerst singt Pawolka 'Three Poems of William Blake' von der Amerikanerin Sharon Davis (*1937). Es ist das ein dialektischer Dreisprung aus dem 'Song' vom Prince of Love, der sich als Vogelfänger entpuppt und, lachend, mocks my loss of liberty, über das Lied von den verlockenden Früchten des Zorns, die am 'Poison Tree' wachsen und an denen sich der diebische Feind vergiftet, zur Einsicht von 'Eternity': He who binds to himself a joy / Does the winged life destroy; But he who kisses the joy as it flies / Lives in eternity's sun rise. Der Kontrast des licht bebenden Soprans zum dunklen Ton der Klarinette reflektiert das Schillern, das Blakes Gedanken anhaftet. Dem folgt, von Schröder allein gerahmt mit 'On the Path to Silence' und dem tiefdunklen Zwiegesang 'Under the Deep Blue Surface', der titelgebende Zyklus des Schweden Ulf Grahn (*1942).

Er hebt an mit dem wiederum eponymosen 'Du Silence', einem Gedicht des belgischen Symbolisten Georges Rodenbach, einem von Poe angeregten Spezialisten für Morbidität und Wahn. Gefolgt von Walt Whitmans 'A Clear Midnight', bei dem nicht Bücher oder Kunst, sondern der stille Nachthimmel die wesentlichen Themen vorgibt: Night, sleep, death and the stars. Das kapriziöse 'Night Images: The Jinni' akzentuiert Pawolka mit Cymbalklang, bevor Bassklarinette und schwebend melismatische Sopranistik mit Zeilen von Tomas Tranströnner aus der Nacht entlassen. Zuletzt erklingt noch 'Encounter', ein Shakespeare-Song von Paul Reif (1910 - 1978), der, 1940 aus Wien in die USA vertrieben, ein Lied von den Menschheitsdämmerungen singen konnte. Nein, es muss wirklich nicht immer Wiener Schnitzel sein.

CD-Besprechung: Stör - Bouillabaisse

11/06/2014
www.badalchemy.de, BA 81, von Rigobert Dittmann

Für die Bouillabaisse von STØR hat D. S. Scholz zusammen mit Simon Doetsch an der Trom­pete, Claus M. Escher an Rhodes & Synthies, Xaver Fuchs am E-Bass und Pit Marquardt am Schlagzeug gefischt und den Kochlöffel geschwungen. Zuerst zeigt da die Trompete wie 'Butzbach Cruisin' geht, ein massiver Zusammenklang sorgt für Wallung wie der Schwanzschlag eines Pottwals. 'Jesus & das Fohlen' wird von Gitarren- und Trompeten­zickzack bestimmt und von kristallin läutendem Keyboard. Bei 'The Bionade Bridge' bilden ein Bassloop und Synthiefäden die Brücke zwischen einem pushenden und einem getra­genen Part und deren Reprise. Wieder im Zickzack führen Gitarre und Trompete durch das bezwitscherte 'Florian Kringe hat mein Mädchen geküsst'. Ein St. Pauli-Shirt dazu wäre nicht unpassend.



Mit Rhodes geht es hinein in 'E.R.I.P.' und dessen Fanfarenton, mit erst Doetsch, dann Scholz als heißen Cookern. 'Danze!' scheint nach 1 Min. die Luft auszugehen, die Trompete hält den Dampf unter dem Deckel, erneute Tanzwut und animiertes Uptempo führen nahtlos zu 'Jack the Swinger' mit einem Call & Response zwischen Doetsch und den andern. 'Mexican Mushroom Riddim' zeigt Anzeichen einer Fischvergiftung, aber der wie­hernde Tijuana-Drive und launiger Keyboardblödsinn richten es wieder. Zuletzt bringen die STØRs mit 'Kaffeee' einen Toast auf King Crimson aus, mit einem Rezept, das, pars pro toto, Zappanale- und Freakshow-Gängern Appetit auf mehr macht.

CD-Besprechung: Dasch2 - Schleudergang

11/06/2014
www.badalchemy.de, BA 81, von Rigobert Dittmann

Mit den Zappanale 2013-erprobten DASCH2 und ihrem Schleudergang zieht Daniel Scholz dann schon ganz andere Saiten auf. Immerhin spielt er zusammen mit dem Samsas Traum Gründungsmitglied und Zappaexperten Daniel Schröder an Bass- & Kontrabassklarinette und Jonas Pirzer an Schlagzeug & Melodika da auch ein Stück, das Dirk Bruinsma für Brown Vs. Brown komponiert hat. Kein Gesang, kein Pop und auch sonst kein Nonsense, von Titeln wie 'Drei Meter Amusement' und '(Sittin' On) The Bionade Bridge' abgesehen. Statt dessen solide, mit Knowhow arrangierte Rock-Jazz-Fusionen, die mit Schröders Kontra­tiefgang punkten. Scholz hält da mit, indem er sich auch schon mal verdoppelt und ver­dreifacht.

'Bei Anruf Dasch' meldet er sich als fingerfertiger Könner, dem freilich mathe­matische Formeln, gespickt mit gezielten Dissonanzen, wichtiger sind als schnelle Lö­sungen. Obwohl, sein Statement bei 'Bilanz 5.1' ist schon recht schneidig. Pirzer beklopft das synkopenreiche, klug konstruierte Geschehen in Rockmanier ohne große Fisimaten­ten. Die braucht es nicht, solange man keine Massen rocken will. Lieber bohrt Schröder dicke Bretter, ploppt und quarrt borkige Poesie, kann aber bei 'Bakterium' nach versonne­nen Momenten auch druckvoll die Pace machen. Zuletzt driftet der 'Daschtronaut' auf psy­chedelischen Dröhnwellen Lichtjahre entfernt von Hannover.

CD-Besprechung: Ego Super - Egos Probleme

11/06/2014
www.badalchemy.de, BA 81, von Rigobert Dittmann

Mein Geltungsbedürfnis ist stärker als ich, deshalb mach ich ab jetzt nur noch Popmusik, verkündet EGO SUPER auf Egos Probleme. Und lässt dazu natürlich im Alleingang die Gi­tarren gepflegt krachen und funken und die Drummachine klopfen. Aber das ist ironisches Rollenspiel (oder die Mr.-Hyde-Seite von Daniel Scholz). Eigentlich treiben ihn Selbstzwei­fel um und Fragen wie Warum bin ich nicht wie du? und Warum bin ich nicht zufrieden mit mein'm Leben? Die Texte des Typen, der da in Lederjacke und Lederhandschuhen mit ro­sarotem Fahrrad posiert, sind belastbarer als die Rockerei dazu. Er schwankt zwischen Ich vermiss Dich und Hau ab, je nach Tagesform des Egos. Er prahlt als Hitschreiber, Frauenabschlepper und Gitarrenheld, und ist doch bloß müde, ob mit oder ohne Bier.

Der 'Klappstulln'-Humor mit seinen nylonbepickten Versager-Reimen ist fast schon sack-zieg­lerisch. Der beim 'Dr. Schloz und die Orangenhaut' gerappte Witz wirft Falco-Wellen. Ein­sam-, Vergesslich-, Müdig- und andere -keiten, Ahnungs-, Hoffnungs- und andere -losig­keiten bilden einen 'Monster'-Reigen. Beim krachigen 'Regeln' rollenspielt Scholz ein herrisch knechtendes Über-Ich, bei 'S wär schön' pfeift und klampft er als bescheidener Nichtschreibkönner, dem zuletzt immerhin noch ein 'Hate Reggae Song' gelingt, der die paradoxe Informationsübermittlung mit Doublebind verschnürt - ein Reggaesong, der Reggae veräppelt, ist wie ein Ego, so bescheiden wie Jesus.

NaNaya: Von der musikalischen Freiheit

31/03/2014
Braunschweiger Zeitung

WOLFENBÜTTEL „NaNaya“ gab ein Konzert in der Villa Seeliger.

von Rainer Sliepen

Tür an Tür mit Mitbürgern mit Wurzeln in der ganzen Welt reduziert sich die Vertrautheit zuweilen auf Döner, Pizza, Sushi. Unter dem Titel Transkulturelle Matinee in der Seeliger Villa hatte die Landesmusikakademie eine Begegnung mit der Kultur unserer Nachbarn initiiert.
Das Publikum beim Konzert von „NaNaya“ weiß jetzt mehr. Sängerin Thea Soti, Musikstudentin in Hannover und Kopf der Gruppe, hat die Klänge ihrer Heimat an der Grenze zwischen Serbien und Ungarn miteinander vermischt. Das Ergebnis ist eine attraktive Stilmelange.
Mit ihren deutschen Musikern, Johannes Keller am Kontrabass, dem Drummer und Perkussionisten Jonas Pirzer und Daniel Scholz lässt sie Exotik anklingen. Ungewohnte Melodik und Rhythmik erinnert an den Orient, der Jazz verklammert alles zu swingenden farbigen Eindrücken voller Emphase und Eindringlichkeit.

Die Oud, arabische Kurzhalslaute, prägt die Ensemble-Identität. Daniel Scholz nutzt ihre Klangflexibilität und breite Dynamik, die gerade bei poetischen Titeln wie dem „Kirschgarten“ zum Ausdruck kommt. Thea singt von lieblicher Frühlingsstimmung und zärtlichem Miteinander.
Das Thema ist schlicht, sparsam die Einwürfe von Perkussion und Bass. Sanft summt die Oud.
Der Text verliert sich improvisatorisch in fantasievollen Vokalisen. Die Stilgrenzen verschwimmen. Man beginnt zu träumen.
Das Klangideal von „NaNaya“ ist die Symbiose, die harmonische Durchdringung der Stile, die Schaffung eines neuen Hörverständnisses. „Einflüsse bündeln“, nennt es Thea, „Fantasiesprache entwickeln, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen, die Stimme als Instrument einsetzen“, so ihr musikalisches Credo.

Die Musik sagt mehr. „Mein süßer Geliebter“ ist eine heißblütige klanggewordene Liebeswerbung, erst schmeichelnd mit geschmeidiger Stimme vorgetragen, dann in ihrer Forderung nach Hingabe fast brutal. Weich sind die Harmonien, verträumt der melodische Fluss, werbend der vokale Schmelz. Doch die Spannung wächst, Bewegung, Rhythmus, Temperament, die Instrumente verschmelzen. Das ist es, das ist „NaNaya“.
Seit zwei Jahren sind sie ein Team. Getourt haben sie in Ungarn, Budapest. Ihre Titel komponieren sie selbst. So stimmt die melodische Kolorierung.
Und was ist ihnen noch wichtig? Thea Soti: „Die musikalische Freiheit, sich von den Noten zu lösen, vom Jazz lernen.“ Das ist ihnen gelungen. Heute in Seeligers Villa. Langer Beifall!

CD-Besprechung: Dasch2 - Schleudergang

14/02/2014
www.music-newsletter.de, von Bronek Kubal

Eine CD, die im Waschsalon aufgenommen worden ist. Im Schleudergang. He he. Redaktionswitze, als die vorliegende CD aus dem Cellophan geschält wird. Auch der Name des Labels ist lustig: Quadratisch Rekords. Wer denkt sich so etwas aus? Bevor ich weiter über Sinn & Zweck der CD und des Lebens sinniere, startet bereits das erste Stück im Player – das „Drei Meter Amüsement“ hört sich so skurril an wie das Artwork der CD aussieht. Ungewöhnlich. Harmolodische Gitarrenlicks und Riffs treffen auf eine quäkende Klarinette, die macht was sie will, aber in der Gesamtheit auf keinen Fall zum melodischen Feinschliff der Musik beiträgt. Die Gitarre sägt inzwischen in schrägen Quarten – erinnert mich in diesem Moment – so komisch es klingt – an ein kultiges Instrumental (F*U*B*B*) einer britischen Artrock-Gruppe namens „Wishbone Ash“, die so spielte, als das Wort Artrock noch gar nicht erfunden war. Es gibt noch einen dritten Mann in der Band DASCH2 (kein Witz!) und der ist Schlagzeuger. Beginnt das zweite Stück – entfernt verwandt – wie seinerzeit in den 60er Jahren der Hit „Suzie Q“ von Creedence Clearwater Revival startete, aber bereits nach 26 Sekunden ist der Spuk vorbei, Gitarrist Daniel Scholz haut mit brachialen „Punishment-Of-Luxury“ (‘ne New Wave Band aus den Spät70ern) Akkorden dazwischen, die Bassklarinette von Daniel (noch ein Daniel) Schröder blubbert gefühlvoll-experimental zwischen den Noten, bevor sich dann alle nach 02:04 Minuten zum Heavy-Distortion-Headbänging mit kosmonautischem Space-Flair treffen.

„Schleudergang“ ist ein geniales Scheibchen – habt Ihr aber schon bemerkt, sonst würden meine Worte gar nicht so sprudeln wie es hier wieder mal der Fall ist. Avantgarde Rock aus Deutschland hoch Zwei! Saugenial. Erinnert an die Ohio-Band „Pere Ubu“ zu deren besten Zeiten – nur dass hier keiner singt. (ähem – ich würde mich für einen etwaigen Nachfolger anbieten, Junx!). Raus auss’m „Gebüsch“ – es wird very groovy – die drei Musiker aus Deutschland praktizieren jetzt so etwas ähnliches wie einen Tanzrhythmus – aber nicht etwa für’n langweiligen Tanztee in der Tanzschule, sondern eher für „Frank-Zappa-Fans-tanzen-pogo-auf-der-Bühne-mit-Orks-die-von-Peter-Jackson-beurlaubt-worden-sind“. Egal – die „Flok“igen Hauruck-Riffs machen Spass – jetzt wäre mir ein Gitarrensolo recht – aber (I steh in der Költ´n und woat auf a Taxi..) aber es kummt net. Im leider nur 2minütigen „Bei Anruf ... Dasch“ lässt sich Daniel Scholz nach vergeblichem Anwählversuch auf den „easy-listening“-Vibes seiner Kollegen treiben und spielt dann doch ein wundervolles langsames (alp)traumhaftes bluesiges Solo, hat er meinen Gedankengang vorausgeahnt? Die schrille Ballade „(Sittin’ On) [– nein nicht <on the dock of the bay>, sondern] The Bionade Bridge“ zeigt, dass der Gitarrist auch irgendwo in seiner Jugend von “The Police” Andy Summers beeinflusst worden ist – die Band zieht inzwischen „Bilanz 5.1“ und sitzt gemütlich im Proberaum und berät intellektuell-gefühlvoll, wie’s weiter geht.

FAZIT: Schaukelnde Gitarrenriffs, ein genial trötendes Klarinettenmonster und ein Schlagzeuger, der unbeeindruckt zwischen subversiven Klangwänden herum spaziert. DASCH2 sind so ziemlich die abgefahrenste Experimentalband aus Deutschland, die ich in der letzten Zeit gehört habe. Man stecke Rock, Jazz, Funk und Neoklassik in eine Waschmaschine, drücke auf “schleudern” und heraus kommt die Wundertüte, die hier gerade von Quadratisch Rekords veröffentlicht worden ist. Wenn’s nur so leicht wäre, musikalische Virtuosität muss auch noch vorhanden sein, und die gibt es bei Daniel Scholz, Daniel Schröder und Jonas Pirzer in hohem Masse! Eine Hammer CD, auf die aber wahrscheinlich zutrifft, was eine legendäre Würzburger Jazz Rock Band namens „Munju“ schon in den 70er Jahren auf ihrer 78er LP “Moon You” geweissagt hatte: „Wahrscheinlich hört’s wieder kein Schwein“. Ein Glück, dass unsere Redaktion 2 Jahre nach dem offiziellen Release vom Label mit dieser Perle bemustert wurde.

NaNaya: klangliche Kontraste

20/09/2013
Braunschweiger Zeitung

WOLFSBURG Ungarisches Ensemble faszinierte auch eine Delegation aus Toyohashi.

von Andreas Stolz

Ein klangliches Phänomen, ein akustisches Faszinosum. Das sind die ungarische Sängerin Thea Soti sowie ihre Begleiter Daniel Scholz mit der Oud, Johannes Keller am Kontrabass und der Percussionist Jonas Pirzer. Am Sonntagabend konzertierte das Quartett auf Einladung des Internationalen Freundeskreise (IFK) im Gartensaal des Schlosses Wolfsburg. Dessen Präsidentin Elisabeth Pötsch forderte die rund 60 Zuhörerinnen und Zuhörern während ihrer kurzen Begrüßungsrede auf: „Lassen Sie sich gefangen nehmen von der wunderbaren Musik, die wir ohne Zweifel zu erwarten haben.“ Die oberste Vertreterin des IFK sollte recht behalten, ihre Einschätzung traf den Kern. Thea Soti, die bereits 2008 einmal in Wolfsburg konzertiert hatte, bezauberte ihr Auditorium mit einer an Facetten reichen Stimme, die unterschiedliche Atmosphären schaffte und sie mühelos aufrecht erhielt. Die stimmliche Ausstrahlung der jungen Ungarin war extraordinär. Ihr samtenes, dunkles Timbre beeindruckte, weckte bei den Zuhöreren Emotionen.

Die Aufmerksamkeit war Thea Soti von den ersten Tonfolgen an gewiss. Nicht nur wegen ihrer exzellenten Gesangsstimme. Sondern auch deshalb, weil die Sängerin die Lieder körpersprachlich, unter anderem durch wiegende Tanzschritte, sowie mimisch und lautmalerisch interpretierte. Es gab Passagen, die am besten durch „Zelebrieren der Klangfolgen“ zu kennzeichnen sind.
Im Gartensaal wechselten aus diesem Grunde poetisch-magische Momente mit Augenblicke temperamentvoller Leidenschaft. Die musikalische Mixtur bestand aus Kompositionen der ungarischen Volksmusik-Tradition, aus türkischem Sound, Jazz und melodisch-rhythmischen Improvisationen. Klangliche Kontraste, die sich temporär sogar innerhalb der Stücke auftaten. Von temperamentvoll-leidenschaftlich bis meditativ, und das durch sekundenschnellem Wechsel von Lautstärke, Rhythmus und der damit verbundenen Veränderung der der emotionalen Atmosphäre.


Die drei Instrumentalisten zeichneten sich zum einen als perfekte Begleiter der Sängerin aus. Exakt auf die Liedvorträge abgestimmt, hoch konzentriert, von immenser Aufmerksamkeit und im Vortrag äußerst differenziert – diese Charakteristika bestimmten ihr Spiel. Genau deshalb waren Daniel Scholz, Johannes Keller und Jonas Pirzer jedoch weit mehr als nur musikalische Begleiter. Sie prägten – gemeinsam mit Thea Soti – die intensive Konzertatmosphäre. Großer Beifall vom Publikum für einen musikalischen Vortrag, der unter die Haut ging. Zum Auditorium zählte eine Delegation von Sportlern aus der japanischen Partnerstadt Toyohashi. Die Bogenschützen aus Fernost fanden offensichtlich, wie alle anderen, großen Gefallen an den außergewöhnlichen Klängen.

Jonas Pirzer Diplomkonzert

26/06/2013
Interlude Nr. 8

Der Schlagzeuger Jonas Pirzer beendet sein HMTMH-Studium mit einem Vierfach-Konzert: "Hannover ist quadratisch!" In diesem Interview spricht Pirzer über musikalische Vorbilder und seinen kompositorischen Ansatz, das Betreiben eines Indie-Labels und die Aussichten für Jazzmusiker in Hannover.

Interlude: Am 4. Juli 2013 spielst du im Kulturzentrum Faust dein Diplomkonzert. Der Abend trägt den Titel: 4 Bands, 4 Genres – ein Quadrat. Was bedeutet das?

Jonas Pirzer: Das Quadrat ist natürlich eine Anspielung auf das von uns gemeinschaftlich betriebene Indie-Label quadratisch rekords. Wir benutzen mein Diplomkonzert als „Kick-off“ und veranstalten eine Labelnight, in der vier unserer Bands vier sehr unterschiedlicher Genres auftreten, die dem Publikum eine große stilistische Bandbreite zumuten:
In der Band NaNaya spiele ich ein reduziertes Drum-Set mit Percussion-Elementen. Ich wollte gerne für diese Band andere Farben benutzen, bin aber kein wirklicher Perkussionist. Mit dieser Hybrid-Lösung bin ich ziemlich zufrieden. Grundsätzlich ist die Musik von NaNaya sehr zerbrechlich, weil es kein Harmonie-Instrument gibt. Stimme, Bass und Oud sind ja in erster Linie Melodieinstrumente. Die Musik lebt sehr von dieser Zerbrechlichkeit und der Atmosphäre, die wir im Idealfall erzeugen. Insofern ist bei jedem Konzert die besondere Herausforderung, die Zuhörer in den Bann zu ziehen – hier im wirklichen Wortsinn. Die zweite Besonderheit ist, dass ein Großteil der Texte auf Ungarisch ist, weil die Sängerin Thea Soti aus Ungarn stammt. Auch wenn das den Mitsingbarkeitsfaktor nicht gerade erhöht, gibt es doch der Musik eine ganz besondere Farbe. Außerdem ist sie oft ungewöhnlich rhythmisiert - weil auf Ungarisch sehr anders phrasiert wird als auf Deutsch. Dasch2 sind ja schon sowas wie „Local (avantgarde) Heroes“. Neben den obligatorischen Auftritten im Kulturpalast am Anfang haben wir auf der Jazzwoche letztes Jahr die Reihe Jazz im GUT eröffnet. Und wir haben tatsächlich auch schon in der Warenannahme gespielt – bei einem Diplomabschluss zweier Kostümbildnerinnen. Die Musik, die wir mit dem Etikett „hochgradig wirksame Universalmusik“ ironisch und, ja: in Anspielung auf das Waschmittel, beschreiben, changiert zwischen Jazz, Neuer Musik und Progressive Rock.
Ego Super ist, gemessen an der Liveaktivität der Band, der jüngste Spross der quadratisch-Family. Wir spielen in klassischer Rocktrio-Besetzung. Die Musik bedient sich schamlos bei nahezu allen Pop/Rock-Genres und auch, wenn sie manchmal schon fast gefällig daherkommt, sollte man sich dadurch nicht über die beißenden (Selbst)-Ironie der Texte hinwegtäuschen lassen.
Und schließlich als Diplomset mit der Konfrontation Eigenkompositionen, arrangiert für Tentett. Dafür habe ich zur Hälfte alte Stücke neu für diese Band arrangiert und zur Hälfte neue geschrieben. Manche waren also ursprünglich für kleinere Besetzungen gedacht, manche für genau diese. Ich bin gespannt, ob man das „von außen“ merkt!

Interlude: Komponieren Schlagzeuger anders als andere Instrumentalisten?
Jonas Pirzer: Ich denke schon, dass Schlagzeuger einen anderen Ansatz haben. Ich bin allerdings auf dem Klavier groß geworden, sodass ich eher pianistisch schreibe – manchmal zum Leidwesen der Pianisten, die das dann spielen müssen!  Ich meine, dass es für Schlagzeuger schwieriger ist, mit Harmonik und Melodik zu hantieren, als für andere Instrumentalisten, weil es eben deren Tagesgeschäft ist, Skalen und Akkorde zu kennen und zu üben. Ich versuche, das als Chance zu sehen, durch unorthodoxe Methoden Klischees zu vermeiden. Eine der schönsten Weisheiten, die ich über das Komponieren gehört habe, ist dass Limitationen so viel kreative Energie freisetzen können und man endlos Ideen entwickeln kann, wenn man sich von ihnen herausfordern lässt.

Interlude: Was sind denn deine musikalischen Vorbilder? Und wie ist dein Ansatz beim Komponieren?
Jonas Pirzer: Die Suche nach der künstlerischen/musikalischen Identität ist ja immer das Thema. Ich denke es ist wichtig, dass es eben genau das bleibt – eine Suche – um frisch zu bleiben! Andererseits kann man Suche nicht aufs Papier schreiben, das ist zu unkonkret. Was mir für das Komponieren sehr hilft: mich von der Vorstellung zu verabschieden, dass die Musik die ich schreibe irgendwelchen Qualitätsmaßstäben genügen muss oder irgendjemandem gefallen soll. Denn wenn ich das tue, schreibe ich nicht, weil ich immer das Gefühl habe, es könnte noch eine „bessere“ Idee geben, auf die ich warten bzw. die ich mir aus den Fingern saugen muss. Natürlich will ich, dass den Leuten meine Musik gefällt, aber soweit kann ich beim Schreiben nicht denken. Ich möchte eigentlich die verbrauchte Vokabel von der Authentizität vermeiden, aber genau darum geht es letztlich ja. Ich glaube, dass der vielbeschworene eigene Stil eine Mischung aus musikalischen Prägungen und den von mir zuvor erwähnten Limitationen ist. Diese musikalischen Prägungen schließen natürlich den Katalog musikalischer Vorbilder, die man so im Laufe der Zeit anhäuft, mit ein. Ich habe Jazz studiert, natürlich kenne und mag ich die Klassiker. Bleiben wir mal bei Bigbands: Duke Ellington, Count Basie, Thad Jones/Mel Lewis, Bob Brookmeyer, aber auch neuere Ensembles wie Darcy James Argue’s Secret Society oder das SF Jazz Collective. Aber auch auf dieser Seite des Ozeans gibt es so viele fantastische Large Ensembles: Lucerne Jazz Orchestra, Nils Klein Tentett, Lauer Large, Andromeda Mega Express Orchestra und viele mehr. Musikalische Einflüsse sind für mich genauso die großen Komponisten der Klassik: Bach, Beethoven, Bruckner, Mahler, um nur ein paar wenige zu nennen. Als ich während des Studiums gemerkt habe, mit welcher Ernsthaftigkeit sich beispielsweise die Amerikaner mit ihren „Roots“ auseinandersetzen, wurde mir wieder klar, dass meine Wurzeln eben nicht im Blues liegen, sondern mehr in der Europäischen Kunstmusik, die ich als Kind und Jugendlicher viel gespielt und gehört habe. Das hat mir auch geholfen, die Musik die ich schreibe einzuordnen - oder sagen wir lieber in Beziehung zu Jazz zu setzen. Denn was ich schreibe sich entfernt sich von der amerikanischen Jazzmusik schon ziemlich weit. Es gibt kaum Swing, keine II-V Akkordprogressionen und wenig Blues – trotzdem ist es irgendwie Jazz, nur eben anders.

Interlude: Worin besteht für dich die besondere Herausforderung im Arrangieren für größere Ensembles?
Jonas Pirzer: Eine gute Vorstellung davon zu haben, wie die zu besetzenden Instrumente klingen und wie man sie gut und effektvoll einsetzt; auch über ihre Möglichkeiten Bescheid zu wissen. Manche Dinge sind schlicht unspielbar und führen dann im Zweifel dazu, dass ein Arrangement nicht funktioniert. Eine Posaune kann zum Beispiel ab einer gewissen Höhe nicht mehr besonders leise spielen. Das muss man als Arrangeur wissen, auch wenn man überhaupt kein Blasinstrument spielen kann – so wie ich. Nachdem ich im Februar zwei Stücke für Bigband arrangiert hatte, bin ich davon ausgegangen, dass es für ein Ensemble mit zehn statt siebzehn Musikern auch weniger Arbeit sein müsste - das hat sich nicht bestätigt. Als herausfordernd empfinde ich es auch, die Übersicht zu behalten und den Notenwust zu bewältigen, von Probenplanung mal ganz zu schweigen! Für mich besteht die größte Belohnung darin, die Musik das erste Mal von echten Instrumenten gespielt zu hören – das ist unbeschreiblich!

Interlude: Ein Konzert zu organisieren, gerade wenn es sich wie in deinem Fall um eine größere Veranstaltung handelt, bedeutet ja auch viel nicht-künstlerische Arbeit. Welche Empfehlungen kannst du aus deinen Erfahrungen ableiten?
Jonas Pirzer: Sucht euch ein Team von verlässlichen Leuten, mit denen ihr gut arbeiten könnt und deren kritisches Feedback ihr schätzt. Fangt frühstmöglich mit der Planung an und teilt die Arbeit in verschiedene Bereiche ein, für die jeweils einer hauptverantwortlich ist. Nehmt euch für alles immer mehr Zeit, als ihr glaubt zu brauchen. Priorisiert die Aufgaben und macht von vornherein einen Zeitplan, an dem ihr euch orientieren könnt – das hilft enorm. Eigentlich habe ich keine Tipps, die nicht sowieso selbstverständlich sind. Ich kann nur betonen, wie wichtig es ist, sie zu beherzigen, weil ich wieder mal an einigen Stellen gemerkt habe was passiert, wenn man es nicht tut. Grundsätzlich muss man einen Weg finden, wie man parallel künstlerisch und organisatorisch arbeitet, ohne Qualitätseinbußen!

Interlude: Wie beurteilst du die Aussichten für Jazzmusiker in einer kleinen Großstadt wie Hannover?
Jonas Pirzer: Gar nicht schlecht. Anders als in den großen Kreativmetropolen ist die Szene hier durchlässiger als anderenorts, weil die Stadt nicht so überlaufen von Musikern ist. Man kann sich in relativ kurzer Zeit einen guten Überblick verschaffen und sein Netzwerk aufbauen – Kontakte sind ja essentiell und auch eine Sichtbarkeit ist für Musiker absolut notwendig. Wenn dich keiner kennt, ruft dich auch keiner an! Trotz der Übersichtlichkeit ist Hannover groß genug, um keine Trägheit und Behäbigkeit aufkommen zu lassen. Im Gegensatz zu anderen Großstädten kann man hier außerdem zu anständigen Konditionen unterrichten. Es stimmt, dass Vieles besser sein könnte, aber glaube, dass man gut daran tut, Brachen als Chancen zu begreifen und nicht in das Horn der Kulturpessimisten zu stoßen. Nach meiner Erfahrung kann man nach wie vor mit einer guten Idee und viel Einsatz Unterstützer gewinnen.

Interlude: Um nochmal zum Anfang zurückzukehren: Hannover ist quadratisch! ist nicht nur dein Diplomkonzert, sondern auch ein Abend des Labels quadratisch rekords, das du mitbetreibst. Was bringt euch angesichts des Niedergangs der physischen Musikdistribution dazu, ausgerechnet ein Plattenlabel zu betreiben?
Jonas Pirzer: Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Einen wollten meine Betreiberkollegen (ich bin kein Gründungsmitglied) ihre CDs selbst veröffentlichen, denn sie hatten kein Label gefunden, dessen Konditionen attraktiv genug waren. Bands aufzubauen kostet extrem viel Zeit und Geld, eine Investition die kleine Labels oft nicht tätigen können oder wollen. Daher gibt man als Künstler oft viele Rechte ab und muss trotzdem noch massiv Selbstvermarktung betreiben. Mit einem eigenen Label kontrolliert man die Wertschöpfungskette selbst ... wenn man von so etwas bei einem kleinen Indie-Label sprechen kann ... Außerdem: Wenn man eine CD im Radio spielen will, kommt man um einen Labelcode nicht herum. Ein weiterer Grund war die Neugier: Wie funktioniert das eigentlich und was muss man tun, um ein Label zu betreiben? Darüber hinaus wollten wir auch ein Stückweit Dinge professionalisieren, die wir sowieso schon so machten. Ich glaube nicht, dass wir so viel über Selbstvermarktung, Musikdistribution, Finanzen, die GEMA und das gute alte Gewerbeamt gelernt hätten, wenn wir nur in der einschlägigen Fachliteratur gewühlt hätten.

Konzert im Goethe-Institut: „Nanaya“

17/06/2013
Göttinger Tagblatt

„Nanaya“ heißt die Band, die am Donnerstagabend, 13. Juni, im Goethe-Institut in der Reihe „World Music“ einen Mix aus osteuropäischen, orientalischen und jazzigen Klängen präsentiert hat. Der Bandname selbst hat keine Bedeutung. Er ist ein Neologismus, ein improvisiertes Wort, dessen Klang orientalisch anmutet.

So ähnlich funktionieren auch die Texte der Stücke, die Thea Soti mit einer mal glasklaren und mal jazzigen Stimme zum Besten gibt. Sie singt zwar in vielen Sprachen (Ungarisch, Portugiesisch, Spanisch), einige stimmliche Passagen klingen sogar wie eine Flöte oder ein Saxofon. Das improvisierte Klangspiel ist Markenzeichen der Gruppe. Es mischen sich Melodietraditionen aus Ungarn mit Tonfolgen des nahen Ostens. Dabei entsteht ein einzigartiger, faszinierender Rhythmus.

Daniel Scholz spielt die Oud, einen Vorläufer der Laute und der Gitarre, der sich vom osmanischen Reich aus nach Mitteleuropa verbreitet hat, Johannes Keller Kontrabass, Jonas Pirzer Schlagzeug und weitere Perkussionsinstrumente. Die aus Ungarn stammende Sängerin Soti  ist der Meinung, dass alles, was wir an uns haben, Klänge erzeugt, mit denen es sich lohnt zu experimentieren. Deshalb ist es auch kein Problem, als sich nach der Pause ihre Halskette in dem aus Afrika stammenden Zupfinstrument Kalimba verheddert. Sie integriert diesen Zufall kurzerhand in ihr Spiel: „Man darf keine Angst haben, vor dem, was man produziert“, lautet ihre Devise und damit scheinen die jungen Musiker gut zu fahren.

Ihr Repertoire reicht von einer Version Béla Bartóks „Ein Abend am Lande“ über kubanische Liebeslieder („Ella y yo“) bis hin zu selbstkomponierten Stücken, wie Daniels „Yavas, Yavas“. Das Schöne ist, dass ihre Lieder, neben der meditativen Wirkung, die sie entfalten, auch Geschichten erzählen. Dadurch wird es möglich, komplett in die neue Klangwelt zu versinken. Mal geht es um ein türkisches Mädchen („Sabayan“), das sich im Wald verirrt, mal um den Wunsch, zum Blut des Geliebten und nicht zu Staub zu werden, um immer bei ihm bleiben zu können („Édes Szeretöm“). Die vier Musiker kommen von der Musikhochschule Hannover. Die Professionalität und Genauigkeit in der Darbietung merkt man ihnen an. Obwohl viel improvisiert wird, ist nicht zu überhören, dass hier Könner am Werk sind. Die rund 20 Zuhörer sind begeistert.

Daniel Schröder: Klarinettist, Komponist, Musiklehrer, Musikwissenschaftler und Labelchef

07/01/2013
NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU Daniel Szewczyk

GLÜCKSTADT Wer an eine Klarinette denkt, hat zumeist Klassik, Kammermusik oder vielleicht auch Jazz im Kopf. Wenn Daniel Schröder an eine Klarinette denkt, darf es auch gerne etwas ausgefallener sein: Egal ob Gothic-Rock, psychedelische Klangsphären oder Frank Zappa – für den aus Hessen stammenden Musiker gibt es kaum Grenzen, alles kann, nichts muss. Seit 2009 unterrichtet der studierte Jazzmusiker an der Musikschule Glückstadt. Seine Vorliebe sind außergewöhnliche Musikprojekte. Mit ungefähr elf Jahren nahm Daniel Schröder zum ersten Mal eine Klarinette in die Hand, nach knapp drei Jahren Unterricht folgte das Saxophon: „Ich war in meiner Anfangszeit ein ziemlich durchschnittlicher Schüler und habe meistens nur geübt, wenn es wirklich drauf ankam“, verrät er. Erst eine Schülerband, der er in der siebten Klasse beitrat, weckte ernsthaftes Interesse an der Musik – ausgedehnte Proben gehörten von nun ab zum Alltag. Als das Abitur schließlich vor der Tür stand, wusste der Musiker dennoch nicht, welchen Beruf er später mal ergreifen möchte: „ Das Hobby zum Beruf machen wollte ich nicht. Ich hatte Angst, dass ich auf diese Weise den Spaß an der Musik verlieren würde“, sagt Daniel Schröder.


Während seines Studiums (Literatur-, Medien- und Musikwissenschaften) in Marburg merkte er jedoch, dass er nicht forschen, sondern musizieren wollte. Bis zu sieben Jobs als Klarinetten- und Saxophonlehrer plus diverse Auftritte als Livemusiker waren pro Woche keine Seltenheit. Und so zog es ihn nach dem sehr theoretischen Studium der Musikwissenschaften im Jahr 2006 in die Jazz-Uni nach Amsterdam. „Die holländische Hauptstadt ist eine Hochburg für Leute, die wie ich überwiegend Bassklarinette spielen“, sagt Daniel Schröder. Dort sammelte er ein Jahr lang Praxiserfahrung und ging 2007 nach Marburg zurück. Die beeindruckendsten Konzerte hatte er jedoch von 2000 bis 2008 mit der Gothik-Rock Band „Samsas Traum“, in der er Bassklarinette und Saxophon spielte und den Sound der Gruppe damit entscheidend prägte. Das in Szenekreisen gefeierte Projekt schaffte es in das Vorprogramm bekannter Bands wie „Oomph!“ und wurde sogar auf dem offiziellen Soundtrack des Films „SAW III“ verewigt.

 

 


 

 

 

Schröder lernte die großen Konzerthallen der Republik genauso kennen wie das Musikbusiness mit all seinen Facetten. Momentan ist er mit seinen Musikprojekten „Dasch2“ und „Du Silence“ voll ausgelastet, deren Werke er über sein eigenes Plattenlabel „quadratisch rekords“ mit befreundeten Musikern selber vertreibt. Neben der eigenen Musik spielt nach wie vor der Musikunterricht eine große Rolle im Leben des Norddeutschen. Von Dienstag bis Freitag gibt er in Glückstadt Klarinetten- und Saxophonunterricht, leitet das Klarinetten- und Saxophonensemble und betreut die Big Band der Musikschule. Und wenn neben Auftritten und Unterricht dann doch mal etwas Freizeit da ist, widmet der Musiker sich Projekten wie seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch „Der Komponist Frank Zappa“. Ein Klarinettist beschäftigt sich wissenschaftlich mit einem Rockmusiker – eine Verschmelzung, ganz nach Daniel Schröders Geschmack.

Daniel Schröder - "Der Komponist Frank Zappa"

14/12/2012
Kundenrezension Amazon

Ich habe in meinem Zappa-Regal mittlerweile so um die 30 Schriften, darunter die einschlägigen Bücher. Mit der Zeit wird natürlich klar, wer da was von wem übernommen hat; die Halbwahrheiten zeugen sich fort und die Mythen werden zementiert. Da wirkt dieses schmale Werk von Daniel Schröder erfrischend: ernsthaft am Gegenstand interessiert, kenntnisreich, wissenschaftlich sauber gearbeitet - und dennoch gut zu lesen!

Es beschäftigt sich mit einer echten Frage und gelangt zu einer Antwort. Der Autor hat es offenbar nicht nötig zu raunen und sich in Spekulationen zu ergehen; er ist ein Freund der Zappa'schen Musik, bewahrt aber auch die nötige Distanz. Das Buch macht sogar Lust, sich eingehender mit Zappas europäischen Vorbildern zu beschäftigen, gerade wenn man sich Zappa - wohl der übliche Weg - eher aus der Rock- oder Jazzhörer-Ecke genähert hat.

Jazz-Rock is not dead, it just smells like Gammelfish

07/08/2012
Kundenrezension Amazon

Zappas 'Jazz is not dead, it just smells funny!' wurde zwar bereits in allen Kontexten bis zum Abwinken zitiert, man kommt jedoch nicht umhin, dass einem dieser Satz in den Sinn kommt, wenn man 'Filet' von 'Stør' zum ersten Mal durch den Player schickt, denn Freaks sind diese Jungs allemal: In ihren bunten Ganzkörper-Lycra-Anzügen sehen sie aus wie eine musizierende Bonbon-Packung, ausstaffiert mit krampigem Hut, Captain America Helm, Konservendose und Teetasse - mehr als skurril das Ganze & voller Selbstironie.

Bei der Musik verbreiten sich jedoch nicht nur 'funny smells', auch wenn Titel wie 'Der Gammelfischskandal', 'Pudelstudio Petra' oder 'Karl vom AKW' auf eine eher verstrahlte Komik schließen lassen; es handelt sich dann doch um den guten alten Jazz-Rock mit Betonung auf letzterem Teil, hinübergeweht ins 21. Jahrhundert.

Viel Wert wird hier auf die Arrangements gelegt, immer mit einer Ideenvielfalt, die Klischees fröhlich umschifft, oft in 'odd meters' (selbstverständlich), ultralange Soloexkursionen fehlen (zum Glück) zugunsten von ausgechecktem Zusammenspiel. Plastik wurde ebenfalls nicht verwendet, es verbreitet sich keine auf Hochglanz polierte Künstlichkeit, die Klangoberfläche der Platte lässt einen nicht in Ruhe und so wird der Gesamteindruck von 'Filet' der Selbstbe-labelung 'lieblicher Terror-Jazz' mehr als gerecht.

Daniel Schröder - "Der Komponist Frank Zappa"

09/07/2012
Kundenrezension

"Im Rockjournalismus basteln Leute, die nicht schreiben können, aus Interviews mit Leuten, die nicht reden können, Geschichten für Leute, die nicht lesen können." (Frank Zappa)

Daniel Schröder widerlegt dieses Zappa-Zitat: er kann schreiben. Und er verbindet sein profundes theoretisches Know-How mit seinem Insider-Wissen aus der Zappa-Community, um ein sowohl amüsantes als auch sehr informatives Werk über Frank Zappa zu schreiben.


Wie hat Zappa Rhythmen verwendet? Was bedeutet seine A.A.A.F.N.R.A.A.-Formel? War er ein ungehorsamer Schüler Varèses? Ist er ein modernder oder ein postmoderner Komponist? Welche Beziehungen hat Zappa zu Adorno, Boulez, Strawinsky, Coltrane, Cage? - Alle diese Fragen (und viele mehr) beantwortet Daniel Schröder in seinem Buch.

Konsequenz: Für jeden Zappa-Fan, jeden Zappa-Kenner, aber auch für die Gebildeten unter seinen Verächtern ein Muss!

Stør

29/11/2009
Oberhessische Presse

Fideler Mix aus Jazz, Funk und Rock Die Marburger Jazzband "Stør" stellte in der Waggonhalle CD vor

von Christoph Spieker

MARBURG "Jesus und das Fohlen" - unter anderem über diese so passend adventlich anmutenden Protagonisten erzählten am Donnerstagabend die fünf Musiker von "Stør". So anmutend dieser Titel klingt, so wenig nachvollziehbar war dagegen für den Jazz-Laien die Musik. Das Quintett selbst umschreibt seine Musik als lieblichen Terror-Jazz.

Terror verbreiten zwar nicht Lautstärke und Aggressivität der Musik, aber eben sehr wohl die zahllosen Stops und Rhythmenwechsel. Aber es kamen auch entspannte und entspannende Momente auf. Der Jazz-Rock von Stør glich ab und zu feiner Lounge-Musik. Aber natürlich nicht, ohne gleich wieder mit hektischen Brüchen, mit denen die Gruppe ihre saftige Verspätung aufholen zu wollen schien, die Zuhörer aufzuschrecken - wie in einem echten David-Lynch-Film, glaubt man den Kommentaren der Band.

Ihre Mission, den Jazz-Rock von seinem ranzig-staubigen Siebzigerjahre-Image zu befreien und wieder für atonale und krumme Musik zu begeistern, konnten die Marburger im Kreise ihrer etwa 50 Anhänger in der Waggonhalle nur teilweise erfüllen. Es entstand insgesamt zwar ein fideler Mix aus Jazz, Funk und Rock. Aber für genrefremde Gäste wirkte die Darbietung stellenweise zu dissonant. Punkten konnten die fünf Støre mit ihrer Dienstkleidung. In bunten Lycra-Anzügen glänzten sie in den Ampelfarben um die Wette.

Stør - Filet

16/11/2009
benzol-mag (www.benzol-mag.de)

Schon die ersten paar Sekunden von "Filet" zeigen, worauf Stør mit diesem Album hinauswollen: Sie wollen es dem Hörer nicht immer ganz einfach machen; ihn im Wortsinne (ver)stören, was Ihnen teilweise auch wirklich gelingt. Gut - jemanden zu verstören, das ist jetzt generell nicht schwierig. Schwieriger ist es, dem Hörer nebenbei auch etwas zu bieten, was er gerne mag, und ja, genau dieses ist auf der Scheibe eben auch geboten: Stør schaffen die Vereinigung aus hässlichem Speise- und kunterbuntem Regenbogenfisch. Die Band selbst bezeichnet ihre Musik als "lieblichen Terrorjazz". Meine Mitbewohnerin fasste dies nach dem ersten Track so zusammen: "Ja, es ist Jazz. Aber er ist nicht ganz normal. Aber er ist schön." Die Band, ein Gemeinschaftsprojekt aus 5 musikophilen Studenten aus Marburg, zeigt nicht nur Spielfreude und Talent. Sie weiß es auch, den Hörer mit eingängigen Klängen zu ködern, ihn aber nicht einzulullen, sondern ihn im richtigen Moment wieder -eine willkommene Störung- durch etwas unerwartetes wieder ins Boot zu holen.

Überhaupt ist viel Abwechslung geboten: die klassischen Jazzinstrumente kommen fast durchweg zum Einsatz -und spielen sich von Lied zu Lied abwechselnd deutlich in den Vordergrund -aber auch der ein oder andere Spritzer Elektronik fehlt nicht, selbst ein beinahe metallig-anmutendes E-Gitarrensolo hat seinen Platz ("Karl vom AKW"). Die Grundlage bildet jedoch immer der Jazz. Manchmal klingt er fast -in den schwächeren Momenten der Platte- ein bisschen loungig, manchmal klingt er eiskalt improvisiert. Manchmal verkommen die Stücke zwischenzeitlich leider zum hintergründigen Ambiente, was vielleicht dem einzig größeren Kritikpunkt der Geschichte wird: Es handelt sich, vielleicht nicht jazzunüblich, aber doch etwas schade, um eine reine Instrumentalplatte. Die Band will die Musik für sich sprechen lassen, was ein edles und dank der hohen Qualität auch nicht unangebrachtes Anliegen ist, trotzdem würde die ein oder andere Stimme, an der richtigen Stelle eingesetzt, dem Ganzen etwas noch markanteres verleihen.

Stør jedoch bleiben beim Instrumentalen, und es sei ihnen vergönnt. Ihre Klang-Einfälle sind kreativ und abwechslungsreich -wenn auch zuweilen etwas zu konzentriert störend (zum Beispiel in "Electronic E.V.E."- und so kommen durchaus geniale Momente zustande: die Gegenüberstellung von Trompete und E-Gitarre in "der Gammelfisch Skandal" beispielweise, oder der mit dem richtigen Maß an Epik vorgetragene Schlusstrack "der Fahnder" gehen verdammt ins Ohr, oder auch wie "Pudelstudio Petra" in Genick und Fußwippmuskel. Die Namensgebung der Tracks ist übrigens gar nicht mal so absurd: Wen das tragikomische Stück "der Regenwurm" nicht an eben diesen denken lässt, und wer bei "Seltsam Schlaflos" nicht das Gefühl hat mit einem merkwürdigen Grinsen durch eine ebenso merkwürdige Traumwelt zu spazieren, der sollte vielleicht mal in sein benachbartes Pudelstudio gehen, wo -natürlich- Klavier gespielt wird.

Al a Malaka - "Wüste Klänge"

16/11/2009
benzol-mag (www.benzol-mag.de)

Der zweite Release auf dem Marburg Label "quadratisch rekords" kommt von einer Formation mit dem orientalisch anmutenden Namen "Al A Malaka" (sprich: Al A Maleyka). Ein offensichtlich orientalischer Name. Schon der Blick ins Instrumentenverzeichnis lässt tief blicken: da stehen Klarinette, Schlagzeug und elektrischer Kontrabass, vereint mit Merkwürdigkeiten wie "Oud" und "Baglama". Auch Cello und Melodika spielen auf, von bretternden elektronischen Gitarren oder gar Vocals jedoch keine Spur. Da bin ich ja erst mal skeptisch! Muss ich aber nicht. Die im Titel implizierten "wüsten Klänge" sind weniger wüst als befürchtet, vielmehr dafür konzipiert, den Hörer an die Wüste denken zu lassen -und an Beduinen und Kamele, an schöne arabische Augen die dir aus ihren Schleiern heraus Blicke zuwerfen, an muskulöse Männer die den ganzen Tag nix anderes zu tun haben als Schlangen zu beschwören und Schwerter zu schlucken. Al A Malaka wollen orientalisch klingen und verdammt noch mal, das tun sie auch. Es treffen sich hier offensichtlich 5 Musiker, die ihren Spaß an der Musik des Morgenlandes haben und ihre Instrumente nebenbei auch perfekt beherrschen.

Besonders die Klarinette tut sich immer wieder hervor, aber auch die restlichen Instrumente harmonieren hervorragend miteinander. Ich schließe die Augen und bin im Orient: Das Konzept geht auf. Ich erlebe sternenklare Nächte unter Palmen in der Wüste, ich tanze mit oben angesprochenen verschleierten Frauen um ein Feuer und ich schlucke 40 Minuten lang eifrig ein Schwert nach dem andren. Songs wie "Yavas, Yavas" klingen für mich als sei ich Gast auf einer türkischen Hochzeit, "Malariafliege" könnte einen arbeitsamen Tag unter praller Sonne umschreiben. Inklusive Mittagspause. Nebenbei entdecke ich bei genauem Hinhören doch einige Funken Modernität. Die ein oder andere Baglama könnte so oder so ähnlich auch in abendländischen Poprocknummer gezupft werden, und gerade das Schlagzeug verleiht dem Ganzen häufig einen Touch heutiger Zeit und hiesiger Lokalität. Ab und an wird's ein bisschen unangenehm, etwa wenn Klarinette und Schlagzeug in "Camel Trouble" leicht dysharmonieren -aber dies sind nur Momente und passen augenscheinlich ins Selbstverständnis des beherbergenden Labels. Ob man das gut oder schlecht finden soll, darüber lässt sich streiten.

Vielleicht kann man der Gruppe außerdem vorwerfen, das sich nach einer Weile eine gewisse Monotonie einstellt. Es wird zwar versucht das zu umgehen (z.B. in "Was Frisöre können, können nur Frisöre"), doch ist das dank der Instrumentenwahl nicht ganz einfach. So beherrscht vor allem besagte Klarinette das Geschehen -zwar abwechslungsreich- doch man muss sich schon ein bisschen reinhören, um sich nicht bei Song 8 an Lied Nummer 3 zu erinnern. Doch auch das klappt nach einer Weile. Natürlich muss zum Schluss folgendes angemerkt sein: hier handelt es sich nicht um Partymusik à la Panjabi MC, es geht hier fast durchweg ruhig und atmosphärisch zu (auch wenn beim Basslauf in "Zavalli Cavalli" schon fast Rock'N'Roll Feeling aufkommt) So eignet sich das Ganze wohl eher entweder für Liebhaber oder Kenner (orientalischer) Musik oder für Freunde der gepflegten, anspruchsvollen Hintergrundentspannung. Ich würde mich nicht unbedingt als ersteres bezeichnen, aber für zweiteres liefern mir Al A Malaka mit "Wüste Klänge" willkommenen Stoff.

Al a Malaka: Wüste Klänge

28/09/2009
Oberhessische Presse

"Al a Malaka" mit "Wüsten Klängen" in der Cavete

MARBURG Die Formation "Al a Malaka" spielt eine Mischung aus westlicher Musik und orientalischem Klang. Die Stücke sind instrumental und von ihrer Struktur her eher westlicher Musik ähnlich, auch die Beats lehnen sich häufig eher an Rock oder Hip Hop an, der Klang ist aber durch und durch handgemacht, akustisch und vor allem orientalisch.

Am Donnerstag, 1. Oktober, präsentieren "Al a Malaka" ihr erstes Album, das den Titel "Wüste Klänge" trägt. Auf der Bühne stehen Daniel Scholz (Oud, Bağlama), Rebecca Trescher (Klarinette), Xaver Fuchs (elektronischer Kontrabass) und Pit Marquardt (Schlagzeug). Beginn ist um 21 Uhr, der Eintritt ist frei.

Stør - Filet

26/06/2009
Uncle Sally's - Demodesaster

Die einen nennen Størs Musik lieblichen Terror-Jazz, andere wiederum sprechen von fieser Lounge-Musik. Die Wahrheit liegt wie so oft dazwischen. Wir halten fest: Zunächst können die fünf Jungs, allesamt in fesch-grelles Elastan gehüllt, ihre Instrumente spielen, als da wären Gitarre, Bass, Schlagzeug, Trompete und Rhodes-Synthesizer.

Diese verquirlen sie zu einem knusprigen Groove, der regelmäßig von exzellent vorgetragenen Soli aufgebrochen wird. Die Grundstimmung ist gediegen, bei verschärftem Tempo blitzt jedoch auch mal eine Spur von Furor auf. Wir schlagen deshalb als Etikett "bissigen Filigran-Funk" vor. Am Ende tut's aber auch das gute alte "Spitze!".

Stør

17/12/2008
Hallo München

Jazz-Rock - vom staubigen 70er-Image befreit

MÜNCHEN-SCHWABING Lieblicher Terror-Jazz in strahlend bunten Lycra-Anzügen - das wird am Mittwoch, 17.Dezember, ab 21 Uhr im Babalu in der Leopoldstraße 27 geboten. Die Herzen der Berliner hat die Band Stör schon im Sturm erobert,

jetzt sind bei ihrem ersten Auftritt in der Landeshauptstadt die Münchner dran: "Wir haben es uns zur Mission gemacht, Jazz-Rock von seinem ranzig-staubigen 70er-Image zu befreien", erklären die Hessen.

Stør

04/12/2008
Giessener Anzeiger

Marburger Jazz-Rock-Band "Stör" stellt in Waggonhalle erstes Album "Filet" vor

MARBURG (nb). Als "lieblichen Terror Jazz" umschreibt die Band "Stör" aus Marburg ihre progressive Musik. "Die sehen so albern aus, dass es wieder toll ist!", sagen Besucher über den Fünfertrupp bei der Veröffentlichung ihres ersten Albums "Filet" im Kulturzentrum Waggonhalle. So wie der Fisch Stör eine vom Aussterben bedrohte Gattung ist, die ausschließlich Kaviar gebiert, hat auch die Band "Stör" das Vorhaben, etwas Edles zu gebären: Sie will nicht einfach eine Band sein, die Jazz, Rock und Funk mischt, sondern in ihren Eigenkompositionen den Jazz-Rock komplett vom ranzig-staubigen 70er-Jahre-Image befreien.

"Wir wollen die Leute wieder für atonale und krumme Musik begeistern", berichtet Daniel Scholz, der Gitarrist unter den Instrumentalisten Johannes Aupperle (Trompete), Xaver Brät Fuchs (Bass), Claus Maria Escher (Rhodes/Synthie) und Pit Marquardt (Schlagzeug). So war es nur konsequent, dass zur "fiesen Lounge-Musik" auch strahlend bunte Jazzdancanzüge aus Lycra gehören. Dass diese in einem Fetisch-Store erworben wurden, oder das man ein Lied "Der Gammelfisch-Skandal" nennt, könnte man ge"stört" nennen. Auf charmante Weise erklärt die Band ein Song durchaus mal wie einen David-Lynch-Film: "Der Schluss kommt am Anfang und alles ist irgendwie umgekehrt." Damit meinen die "Störe", dass die Psychose am Anfang und am Ende des Stückes zu Tage tritt und dazwischen Reggae das musikalische Geschehen dominiert.

Vor drei Jahren schlossen sich die fünf Studenten zu ihrem ungewöhnlichen Vorhaben zusammen, neben kommenden Auftritten in München und Tübingen ist im letzten Jahr in Berlin "Filet" entstanden. Dem Konzert vorangegangen war die Eröffnung der Ausstellung "Hauptsache den Fischen geht's gut!" von Cosima Fuchs. Bis Ende des Jahres sind in der Waggonhalle ihre Bilder zu sehen, die "Menschen in Situationen" thematisieren.